Warum Unterspritzen mit Hyaluron als Heilkunde gilt
Hyaluronsäure ist ein Stoff, den der Körper selbst bildet. Er bindet Wasser und füllt Gewebe auf. Unter die Haut gespritzt, glättet er Falten oder formt Lippen und Wangen. Genau hier zieht das Recht eine Grenze: beim Einbringen des Stoffs unter die Haut.
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat 2012 einer Kosmetikerin das Unterspritzen von Falten verboten. Sie hatte es seit Jahren gemacht, ihre Erfahrung zählte nicht. Wer spritzt, muss wissen, wo Adern, Nerven und Muskeln verlaufen. Trifft die Nadel eine Ader, kann der Stoff sie verschließen. Dann stirbt Gewebe ab, in seltenen Fällen droht sogar Blindheit.
Warum auch der Hyaluron-Pen eine Erlaubnis braucht
Der Hyaluron-Pen arbeitet ohne sichtbare Nadel. Er presst die Hyaluronsäure mit hohem Druck durch die Haut. Die Werbung sagt: kein Stich, also keine Heilkunde. Das Verwaltungsgericht Aachen sah das 2020 anders und untersagte einer Kosmetikerin den Pen. Auch hier sei medizinisches Wissen nötig.
Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg stellte 2019 klar: Nur Ärzte und Heilpraktiker mit Erlaubnis dürfen den Pen einsetzen. Als Risiken nannte es Entzündungen der Haut, entstellende Narben und Allergien. Manche Hersteller behaupten, ihr Modell wirke nur in der obersten Hautschicht. Die Gesundheitsbehörden sehen das bisher nicht so. Wer sich darauf verlässt, trägt das Risiko einer Anzeige.
Wer Hyaluron spritzen darf und wie Sie das prüfen
Die Erlaubnis hängt an der Person, nicht am Gerät oder am Namen des Studios. Von 4 Gruppen dürfen 2 selbst spritzen. Eine dritte darf es nur im Auftrag einer Ärztin. Die Kosmetikerin darf es nie.
| Person | Darf unterspritzen | Woran Sie das erkennen |
|---|---|---|
| Ärztin oder Arzt | Ja | Urkunde über die ärztliche Zulassung, Eintrag bei der Ärztekammer |
| Heilpraktikerin mit voller Erlaubnis | Ja | Urkunde des Gesundheitsamts |
| Medizinische Fachangestellte | Nur im Auftrag und unter Aufsicht einer Ärztin | Die Behandlung findet in der Arztpraxis statt |
| Kosmetikerin | Nein | Es gibt keinen Nachweis, der es erlaubt |
- Fragen Sie, ob der Stoff unter die Haut gelangt oder auf der Haut bleibt.
- Lassen Sie sich bei einer Unterspritzung die ärztliche Zulassung oder die Erlaubnis als Heilpraktikerin zeigen.
- Fragen Sie im Zweifel bei der Ärztekammer oder beim Gesundheitsamt nach.
- Bestehen Sie vorher auf einer schriftlichen Aufklärung mit Risiken und Bedenkzeit.
- Lassen Sie sich den Namen des Produkts aufschreiben.
- Verzichten Sie bei ausweichenden Antworten und melden Sie den Verdacht dem Gesundheitsamt.
Was einer Kosmetikerin bei verbotenem Unterspritzen droht
Das Gesetz über Heilpraktiker bestraft Heilkunde ohne Erlaubnis mit bis zu einem Jahr Haft oder einer Geldstrafe. Das gilt auch, wenn keine Kundin zu Schaden kommt. Dazu kann eine teure Abmahnung von Verbänden oder Konkurrenten kommen.
Auch der Vertrag ist dann unwirksam. Ein Vertrag, der gegen ein gesetzliches Verbot verstößt, gilt als nichtig. Sie können das gezahlte Geld zurückverlangen, auch wenn die Behandlung gut aussieht. Hatten Sie einen gesundheitlichen Schaden, können Sie zusätzlich Schmerzensgeld fordern.
Seit 2025 gilt außerdem eine Grenze für die Werbung. Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Für eine Korrektur von Nase oder Kinn mit Hyaluron darf niemand mit Vorher-Nachher-Bildern werben, auch keine Arztpraxis.
Was ein Studio stattdessen anbieten darf
Die Grenze liegt nicht beim Stoff Hyaluronsäure, sondern beim Weg unter die Haut. Alles, was auf der Haut bleibt, ist gewöhnliche Kosmetik und braucht keine Erlaubnis.
- Seren und Cremes mit Hyaluronsäure, die auf die Haut kommen.
- Microneedling mit einem Serum, solange die Nadeln nur oberflächlich arbeiten.
- Feuchtigkeitsbehandlungen wie Aquafacial, die Wirkstoffe ohne Stich in die oberste Hautschicht bringen.
- Eine ehrliche Beratung, ob eine Unterspritzung überhaupt sinnvoll ist, mit dem Hinweis auf eine Arztpraxis.
Welche Seren beim Microneedling in Frage kommen, erklärt der Artikel zum Serum beim Microneedling.
Was Sie nach einem Schaden durch Unterspritzen tun
Bleibt nach einer Behandlung eine Beule, eine Verfärbung oder starker Schmerz, geht die ärztliche Versorgung vor. Danach sichern Sie die Beweise. Fotografieren Sie die Stelle mit Datum. Wie Sie Ansprüche durchsetzen, zeigt der Artikel zu Schäden nach einer Kosmetikbehandlung.
Wurde der Stoff mit Spritze oder Pen unter die Haut gebracht?
Haben Sie starke Schmerzen, eine bläuliche oder blasse Stelle oder Sehstörungen?
Gehen Sie sofort in eine Notaufnahme oder eine Augenarztpraxis. Das können Zeichen einer verschlossenen Ader sein, die schnell behandelt werden muss.
Lassen Sie die Stelle in den nächsten Tagen bei einer Hautärztin ansehen und fotografieren Sie sie mit Datum.
Bei Produkten, die nur auf die Haut kamen, reicht meist ein Termin bei der Hautärztin ohne Eile. Fotografieren Sie die Reaktion trotzdem.
Häufige Fragen
Darf eine Kosmetikerin Lippen oder Falten mit Hyaluron aufspritzen?
Nein, eine Kosmetikerin darf Lippen oder Falten nicht mit Hyaluron aufspritzen. Das ist Heilkunde und nur Ärzten und Heilpraktikern mit Erlaubnis erlaubt. Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat das 2012 für eine Kosmetikerin ausdrücklich bestätigt.
Ist der Hyaluron-Pen ohne Nadel erlaubt, weil er nicht sticht?
Nein, auch der Hyaluron-Pen ohne Nadel ist für Kosmetikerinnen nicht erlaubt. Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg und das Verwaltungsgericht Aachen sehen ihn als Heilkunde, weil der Stoff ebenso unter die Haut gelangt. Einzelne Hersteller sehen das anders, ein endgültiges Urteil gibt es nicht.
Welche Strafe droht einer Kosmetikerin, die trotzdem unterspritzt?
Einer Kosmetikerin, die ohne Erlaubnis unterspritzt, drohen bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe. Das gilt auch, wenn keine Kundin einen Schaden hat. Dazu kann eine Abmahnung wegen unerlaubter Werbung kommen.
Kann ich mein Geld zurückverlangen, wenn ich illegal unterspritzt wurde?
Ja, Sie können Ihr Geld zurückverlangen. Ein Vertrag über eine verbotene Heilbehandlung ist nichtig, das Studio hat das Geld also ohne Grund erhalten. Bei einem Gesundheitsschaden können Sie zusätzlich Schmerzensgeld fordern.
Darf eine Heilpraktikerin Hyaluron spritzen?
Ja, eine Heilpraktikerin mit voller Erlaubnis darf Hyaluronsäure spritzen. Die Erlaubnis vom Gesundheitsamt deckt das grundsätzlich ab. Fragen Sie trotzdem nach ihrer Erfahrung mit genau diesem Produkt.
Was mache ich, wenn nach einer Unterspritzung eine Beule bleibt?
Fotografieren Sie die Stelle sofort mit Datum und lassen Sie sie bei einer Hautärztin ansehen. Bei Sehstörungen, starken Schmerzen oder einer blassen Stelle gehen Sie sofort in eine Notaufnahme, weil eine verschlossene Ader schnell behandelt werden muss.
